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1926: Wie alles begann

Die Geschichte der Fleischerei Kohl-Kramer in Trockenerfurth beginnt am 6. Oktober 1926. Heinrich Kohl, geboren in Trockenerfurth und aufgewachsen in einer Bauernfamilie, machte sich als Metzger in der Hardtstraße 8 selbstständig. Gemeinsam mit seiner Frau Katharina, geborene Kramer, legte er den Grundstein für unseren Familienbetrieb.

Heinrich Kohl war jedoch nicht nur Metzger aus Leidenschaft, sondern engagierte sich auch intensiv für seine Heimat. 1929 wurde er Gemeindevertreter, später Erster Beigeordneter und schließlich Bürgermeister von Trockenerfurth. Dieses Amt übte er 20 Jahre lang aus und wurde bei fünf Gemeindewahlen jeweils einstimmig bestätigt.

Eigentlich sollte sein Sohn Walter die Metzgerei übernehmen. Doch Walter wurde in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs eingezogen und galt seitdem als vermisst. Heinrich und Katharina mussten deshalb eine schwierige Entscheidung über die Zukunft ihres Lebenswerks treffen. Schließlich fiel ihre Wahl auf ihren Patensohn Heinz Kramer aus Nassenerfurth – ebenfalls Metzger aus Leidenschaft.

1960: Die nächste Generation übernimmt Verantwortung

1960 zog Heinz Kramer von Nassenerfurth nach Trockenerfurth und ein neues Kapitel begann. Bereits 1961 wurde die Scheune in der Hardtstraße 3 zu einem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut. Damit wechselte die Metzgerei auf die andere Straßenseite und schuf Platz für weiteres Wachstum.

1962 legte Heinz Kramer in Frankfurt seine Meisterprüfung ab, 1963 heiratete er Marie-Luise Staab aus Neuenhain. Ein Jahr später verpachteten Heinrich und Katharina Kohl den Betrieb offiziell an Heinz und Marie-Luise.

Ein besonderer Moment folgte im Mai 1970: Das Ehepaar Kohl adoptierte die Familie Kramer. Aus Kramer wurde Kohl-Kramer – die enge Verbindung beider Familien wurde damit auch im Namen sichtbar.

Gleichzeitig entwickelte sich der Betrieb weiter. 1970 wurde der benachbarte Bauernhof Heinmüller gekauft und zu Stallungen und Lagerräumen umgebaut, 1975 folgte die Vergrößerung des Ladengeschäfts.

Frauenpower in der dritten Generation

Mit Gabriele Kohl-Kramer wuchs bereits die nächste Generation zwischen Verkaufsraum, Wurstkesseln und Fleischerhandwerk auf. Sie entschied sich bewusst dafür, das Handwerk von Grund auf zu lernen, absolvierte ihre Ausbildung zur Fleischerin und besuchte anschließend die Meisterschule in Frankfurt.

1990 legte sie dort als erste Frau aus dem Schwalm-Eder-Kreis erfolgreich ihre Meisterprüfung ab. Nur zwei Jahre später übergaben ihre Eltern den Betrieb an sie. Mit gerade einmal 24 Jahren übernahm Gabriele Kohl-Kramer 1992 die Verantwortung für das Familienunternehmen in dritter Generation.

Pfalz und Nordhessen wachsen zusammen

Mit Fritz Kästel kam schließlich eine weitere Handwerkstradition in die Familie. Der Fleischermeister und Betriebswirt stammt aus einer erfolgreichen Metzgerfamilie aus der Pfalz. Mit der Hochzeit wurde aus Gabriele Kohl-Kramer Gabriele Kästel – während der traditionsreiche Name „Fleischerei Kohl-Kramer“ erhalten blieb.

Gemeinsam entwickelten Gabriele und Fritz Kästel den Betrieb weiter. Küche und Kühltechnik wurden erneuert, das Wohnhaus umgebaut, 2003 entstand ein moderner Verkaufsraum mit EU-Zulassung, 2009 folgte der Ausbau zum EG-Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb und 2012 wurden neue Rauch- und Reifekammern geschaffen.

Mit Tochter Christine, geboren 1996, und Sohn Maximilian, geboren 2000, wuchs gleichzeitig bereits die nächste Generation heran.

Die vierte Generation: Tradition trifft Zukunft

Maximilian „Max“ Kästel entschied sich bereits mit 16 Jahren dafür, in die Fußstapfen seiner Familie zu treten. Von 2016 bis 2019 absolvierte er seine Ausbildung zum Fleischer und vertiefte sein Wissen anschließend an der Meisterschule in Frankfurt. 2021 legte er erfolgreich seine Meisterprüfung ab.

Seit Mitte 2024 ist Max Mitgeschäftsführer und führt die Fleischerei gemeinsam mit seinen Eltern weiter. Als Fleischermeister und Wurst- & Schinkensommelier verbindet er traditionelle Rezepturen und handwerkliches Können mit neuen Ideen und moderner Technik.

Damit wird das weitergeführt, was die Fleischerei Kohl-Kramer seit 1926 prägt: Bewährtes erhalten und gleichzeitig offen für Neues bleiben.

Ausgezeichnetes Fleischerhandwerk aus Trockenerfurth

Zur Geschichte unseres Familienbetriebs gehören auch zahlreiche Auszeichnungen. Ein besonderer Meilenstein war 1998 der Gewinn des „Wurst-Oscars“. Gabriele und Fritz Kästel erhielten die Auszeichnung in Bonn-Bad Godesberg für die herausragende Qualität und Präsentation ihrer Produkte – allen voran der Roten Wurst und der Trockenerfurter Stracke.

Auch bei internationalen Qualitätswettbewerben konnte unser Handwerk immer wieder überzeugen. 2013 wurden unsere Produkte mit 65 Gold-, 25 Silber- und 10 Bronzemedaillen ausgezeichnet. 2016 folgten bei mehr als 125 eingereichten Spezialitäten insgesamt 126 Medaillen, darunter 83 Goldmedaillen sowie mehrere Sieger- und Ehrenpokale. Weitere große Erfolge folgten 2019, 2022 und zuletzt 2025 mit dem Großen Ehrenpokal des Deutschen Fleischer-Verbandes.

Handwerk bedeutet für uns auch Ausbildung

Zu unserer Familiengeschichte gehören nicht nur vier Generationen Kohl-Kramer-Kästel, sondern auch viele Menschen, die ihr Handwerk bei uns gelernt haben. Bereits Heinrich Kohl bildete junge Menschen aus. Seit 1996 wurden unter Gabriele und Fritz Kästel mehr als 30 Auszubildende begleitet. Einige von ihnen wurden später sogar Kammer- oder Landessieger.

Heute arbeiten mit Fritz Kästel, Gabriele Kästel, Maximilian Kästel und Andreas Keßler vier Fleischermeister im Unternehmen. Dazu kommen zusätzliche Qualifikationen als Fleisch-, Wurst- und Schinkensommeliers. Dieses Wissen weiterzugeben, verstehen wir als Verantwortung für die Zukunft unseres Handwerks.